Trauer um Pastor Dietmar Fries

Der Pastoralverbund Geseke trauert. Am vergangenen Sonntag, 16. September 2018 verstarb Pastor Dietmar Fries im Alter von 83 Jahren. Der Verstorbene wurde am 2. Oktober 1934 in Breslau-Carlowitz geboren. Er floh mit seinen Eltern vor den Russen und kam 1945 nach Paderborn, wo seine Großeltern lebten. Nachdem das Haus ausgebombt wurde, zog er nach Delbrück-Sudhagen. Weitere Stationen waren Wiedenbrück und Siegen, wo sein Vater als Berufsschullehrer arbeitete. Nach seinem Abitur studierte er Theologie in Paderborn und Innsbruck. Am 26. Juli 1961 wurde Fries im Hohen Dom zu Paderborn durch den damaligen Erzbischof Lorenz Kardinal Jäger zum Priester geweiht.
Seine erste Vikarsstelle erhielt er in Detmold. Weitere Stationen waren das Kollegium Marianum in Warburg. 1971 erfolgte dann die Versetzung nach Geseke. Vielen Gesekern ist er noch als Religionslehrer am Gymnasium Antonianum bekannt. Gleichzeitig wurde er Subsidiar und letzter Kanonikus der Stiftskirchengemeinde. Am 29. Januar 2000 wurde Pastor Dietmar Fries von der Stiftskirchengemeinde St. Cyriakus verabschiedet, in der er 28 Jahre als Seelsorger und Kanonikus tätig war.
Seinen letzten Schulgottesdienst am Donnerstag, 27. Januar 2000 zelebrierte der jetzige Erzbischof von München und gebürtige Geseker Reinhard Kardinal Marx als damaliger Weihbischof von Paderborn. Fries war in der Oberstufe Marx Religionslehrer. Zur Ernennung von Marx zum Kardinal im Jahr 2010 beschrieb Fries seinen ehemaligen Schüler als “eine dominierende Figur in der Klasse und der Oberstufe”. Marx war Schulsprecher. Mit ihm und zwei anderen Jungs fuhr der Pastor auf Marx Wunsch hin nach dem Abitur in Fries Käfer nach Rom, des Vatikans wegen. “Er hatte gar keine Scheu vor großen Persönlichkeiten. Er hatte ein gewisses Streben nach oben”, sagt Fries, “er wusste immer, wo es wichtig war, zu erscheinen.” Schillernd ist ein Satz, den er noch von Marx im Kopf hat: “Er sagte zu mir: Du bist per Zufall in mein Leben gekommen.”
Und nun wurde sein früherer Schüler Reinhard Kardinal. “Das ist schon eine dolle Karriere”, sagt sein früherer Relilehrer. Ob er nach Rom zur Inthronisierung fahren werde? “Das wäre ne wunderschöne Sache”, sagt Pastor Fries. “Vielleicht kann ich Reinhard ja mal anrufen.” (Quelle: taz, 20.10.2010)
Neben der Lehrerstelle in Geseke unterrichtete Fries auch in Erwitte Religion. Nach seiner Verabschiedung in Geseke wurde er anschließend Seelsorger in der Pfarrei Heilig Kreuz in Bad Meinberg. Zuletzt war Dietmar Fries viele Jahre im Pastoralverbund Lippe-Detmold als Subsidiar tätig. In seiner Freizeit widmete er sich seinem großen Hobby, dem Schiffsmodellbau. Pastor Fries hat in seiner Geseker Zeit zahlreiche Segelschiffe und hier vor allem historische Modelle gebaut, die er einmal in der Aula der Edith-Stein-Hauptschule in Geseke ausstellte.
Die Trauerfeier findet am Samstag, den 29. September 2018 um 11:00 Uhr in der evangelischreformierten Kirche in Detmold-Heiligenkirchen, Kirchweg 16 mit anschließender Beisetzung der Urne auf dem dortigen Friedhof statt.
Gedenken wir seiner im Gebet und hoffen wir, dass er für uns beim Vater eintritt.
Stichwort: Kanonikus
Der Kanonikus (Chorherr) ist ein Mitglied eines zur Feier eines liturgischen Gottesdienstes an Dom- oder anderen Kirchen bestehenden Kapitels. Die Bezeichnung Kanonikus wird hergeleitet vom Leben nach den canonens (Kirchengesetzen) oder von der Eintragung ins Register (canon) einer Kirche. Das Kanonikat an St. Cyriakus stammt aus der Zeit des Geseker Stiftes. Der Kanonikus war zuständig für die Stiftsdamen. Als 1823 die letzte Äbtissin starb, verhinderte die preußische Regierung eine Neuwahl. Das war das Ende des Geseker Stiftes. Die Stiftsdamen wurden damals abgefunden, die Kanonikate blieben jedoch bestehen, so dass die Stiftskirchengemeinde St. Cyriakus bis 2000 als einzige kirchliche Einrichtung noch einen Kanoniker hatte.
Verfasser: Benedikt Laame